Varroa-Kurs 13. Juli 2024

Imker Meister Marcel Klotz präsentierte uns an diesem Vormittag von 08:30 bis 12:30 Uhr in der WKO-Reutte in einem kurzweiligen Vortrag den aktuellen Stand der Forschungen rund um das Thema Varroa. Mitgebracht hatte Marcel zu diesem Kurz zahlreiches Anschauungsmaterial, welches er auch vorführte. Insgesamt ein ausgezeichneter Vortrag mit viel Praxisbezug, wofür wir uns herzlich bedanken.

Nachfolgend sei der Inhalt kurz zusammen gefasst. Wer sich mehr für das Thema interessiert und sich tiefer einlesen will, sei auf eine Präsentation der AGES (Dr. R. Moosbeckhofer) verwiesen. Hier wird auf 64 Seiten sehr umfangreich darauf eingegangen. Aus diesem Vortrag stammt auch das Titelbild, welches auch von Marcel verwendet wurde.

Varroa ist die Kurzbezeichnung für eine parasitäre Milbe welche unsere Bienen befällt – konkret die “varroa destructor”. Sie wurde 1904 erstmalig gefunden (varroa jacobsoni) und stammt ursprünglich aus Ostasien, wo sie die apis cerana Biene befallen hat. Diese Biene verlässt mehrfach das Nest und zieht der Tracht nach, wodurch sie damit gut zurechtkommt. Bei uns wurde die Varroa erstmalig 1977 in Deutschland durch Bieneninstitut gezielt importiert, entkam allerdings in der Folge. 1987/88 erreichte sie unseren Bezirk in Tirol.

Die Vermehrung der Milbe funktioniert ausschließlich in einer Brutzelle. Die Sommermilbe überlebt 2-3 Monate und somit 2-3 Brutzyklen des Bienenvolkes. Die Wintermilbe überlebt 6-7 Monate und überdauert somit auch die Frostperiode problemlos.

Die weibliche Milbe bleibt ca. 3-5 Tage auf der Biene bevor sie ca. 40 Std. bei Drohenbrut und 30 Std. bei Arbeiterinnenbrut vor der Verdeckelung in die vorbereitete Brutzelle schlüpft und sich dort im hinteren Bereich einnistet. Da die
Drohnenzellen zusätzlich mehr Lockstoffe ausgeben, als die der Arbeiterinnen werden sie auch bevorzugt befallen. Zusammen mit der längeren Entwicklungsdauer finden sich in ihnen ca. 4-6 mal mehr Milben. Damit ist die Drohnenbrutentnahme (nach der Verdeckelung) eine effektive Bekämpfungsmethode.
Entgegen den früheren Annahmen ernährt sich die Milbe zuerst vom Futtersaft und erst dann von der Made => vom Fettgewebe und teilweise vom Blut. Hierzu sticht die Muttermilbe die Made im hinteren Bereich an (dort ist sie weicher und hat mehr Fett). Dieses Loch wird auch von ihren Nachkommen genutzt. Die von der Muttermilbe im vorderen Bereich gelegten Eier entwickeln sich innerhalb von 30 Stunden. Die erste Jungfernmilbe ist immer ein Männchen, die weiteren Weibchen, welche von diesem begattet werden.

Die Stocktemperatur beeinflusst diese Entwicklung der Varroa stark. Ebenso alles, was die Verdeckelungszeit der Zellen verlängert – wie zB. das Einsetzen von Mittelwänden zwischen die Brutwaben. Je länger die Brutzelle verdeckelt ist, desto mehr Eier kann die Muttermilbe legen und können sich zu Jungfernmilben entwickeln.

Erkennen kann man den Varroa Befall durch:

  • Natürlichen Abfall auf der “Varroawindel” beobachten => jeweils 3-5 Tage sammeln (zur Palmkätzchen- und Löwenzahlblühte) und das je 2-3 mal wiederholen. Durch Auszählen der abgefallenen Milben kann man den Abfall pro Tag ermitteln -> ab 6 Milben pro Tag herrscht Alarmstimmung.
  • Lückenhaftes Brutnest – durch Milben geschädigte Made wurde durch die Arbeiterinnen entfernt
  • Durchlöcherte Zelldeckel
  • Ein befallenes Volk wird durch die Varroa geschwächt und damit anfälliger für Krankheiten. So kann auch deren Auftreten ein Indiz für einen starken Varroabefall sein. Zu diesen Krankheiten zählen ua: (gutartige) Faulbrut, Sackbrut, Kalkbrut
  • Das Volk wächst nicht mehr, geht vielleicht sogar zurück.
  • Zerfranste Flügel und haarloser Hinterleib
  • Zitternde bzw. raufende Bienen am Flugloch
  • Verkrüppelte Bienen oder abgestorbene Brut beim Flugloch
  • Eintretende Unruhe/Stechfreudigkeit

Wurde ein Varroabefall festgestellt und als stark bewertet (Brut und Bienen befallen), muss der Imker handeln. Zuerst muss entschieden werden, wie man ihn bekämpfen will:

  • Chemische Mittel: danach darf der Honig nicht mehr in Verkehr gebracht werden – er muss somit vorher abgenommen werden.
  • Thermische Behandlung (Thermoschrank) zur Abtötung der Milben
  • (Drohnen)Brutentnahme je nach Befallstärke bis hin zur kompletten Brutentnahme

Ziel muss jedoch sein, dass es nicht zu einem starken Befall kommen kann. Entscheidend hierfür ist eine effektive Varroabehandlung gleich nach der Honigentnahme, parallel zur Auffütterung sowie eine Restentmilbung sobald das Volk brutfrei ist.

Für diese Behandlungen gibt es mehrere anerkannte und effektive Verfahren (ohne Anspruch auf Vollständigkeit):

  • Verdunstung insb. von Ameisensäure (60 bzw. 80%-ig) von oben oder unten mit diversen Hilfsmitteln
  • Einträufeln insb. von Oxalsäurelösung (mit Zuckerzusatz) in die besetzten Wabengänge
  • Varroa-Streifen wie Thymovar (gel), Apilifevar (grün) oder “Max-Streifen Formix-Pro”
  • Supplimation von Oxalsäuredihydrat mit entsprechenden Hilfsmittel

Hierbei ist darauf zu achten, dass die gewählte Methode auch rechtlich zugelassen ist und dass sie korrekt angewandt wird. Insbesondere bei den länger andauernden Verdunstungen und Streifenverfahren ist eine ausreichende Ventilation im Stock sowie eine Außentemperatur unter 25°C sicherzustellen. Widrigenfalls kann es zu Bienen- oder sogar Königinnenverlust kommen.

Jedes Verfahren hat seine eigenen Vor- sowie Nachteile, aber auch Gefahren. In die Brutzelle selbst kann nur die Ameisensäure vordringen. Alle anderen bekämpfen nur die Brut außerhalb der Brutzelle. Als am schonendsten für die Bienen gilt das Sublimieren von Oxalsäuredihydrat. Die Streifen dürfen nicht direkt auf das Wachs gelegt werden und nicht zu lange im Stock verbleiben, weil ansonsten das Wachs kontaminiert wird.

Der Imker trägt somit große Verantwortung für seine Völker und muss diese regelmäßig kontrollieren, um bereits erste Anzeichen erkennen und entsprechend handeln zu können.